ITIL V2 Application Management
ITIL Application Management - mehr als nur Softwareentwicklung
Ziel von ITIL ist, die IT möglichst nahe an den Bedürfnissen und Zielen des Unternehmens auszurichten. Im Bereich Service Management wird der Nutzen und die Vorteile, die das Einführen von ITIL-basierten Prozessen mit sich bringt, immer mehr erkannt. Weniger geläufig ist, dass sich das ITIL-Prinzip auch auf das Thema „Service Creation“, also der Herstellung von Software-Applikationen, anwenden lässt: ITIL Application Management stellt eine Reihe von Methoden zur Verfügung, mit deren Hilfe die Herstellung, Einführung und Verwaltung von Applikationen nach ähnlichen qualitativen Merkmalen abgewickelt werden kann, wie es im Service Management bereits Standard ist.
Warum ITIL Application Management?
Im Gegensatz zu IT-Elementen wie Routern, Switches und Telefonen unterstützen Anwendungssysteme in der Regel direkt die geschäftsentscheidenden Kernprozesse von Unternehmen. Anwendungssysteme sind das entscheidende Bindeglied zwischen Business und IT und verdienen daher bei der Ausrichtung der IT auf Unternehmenszwecke besondere Aufmerksamkeit.
Die häufigsten und tief greifendsten Veränderungen in einer IT-Organisation entstehen durch die Einführung von neuen Anwendungssystemen. Im Vergleich zu anderen IT-Elementen bringt die Einführung neuer Applikationen die höchste Back-out Rate, den größten Testaufwand sowie das größte Risiko von zeitlichem Verzug mit sich. Das Problem wird noch deutlicher, wenn man bedenkt, dass laut Gartner Group 40 Prozent aller Systemausfälle in Unternehmen auf fehlerhafte Applikationen zurückgehen. Weitere 40 Prozent lassen sich auf Bedienungsfehler zurückführen und nur 20 Prozent hängen mit fehlerhafter Hardware zusammen.
Die Hauptursache für diese Probleme ist die in der Praxis häufig anzutreffende mangelnde Verzahnung von Anwendungsentwicklung (Service Creation) und Anwendungsbetrieb (Service Management). Wichtig ist jedoch, dass Service Management Aspekte wie Verfügbarkeit, Zuverlässigkeit, Verwaltbarkeit, Performance etc. bereits bei der Entwicklung von Applikationen berücksichtigt werden. Denn dies stellt eine reibungslose Integration der zu entwickelnden Applikation in die zukünftige Systemlandschaft sicher.
Das Application Lifecycle Modell
Im Gegensatz zur Anwendungsentwicklung und Service Management deckt Application Management den gesamten Lebenszyklus einer Applikation ab – von der Idee bis zur Ablösung. Die Anwendungsentwicklung beschäftigt sich mit den Anforderungen an eine Applikation, dem Entwurf und der anschließenden Software-Entwicklung.
Klassischerweise kommt erst nach diesen Phasen das Service Management an die Reihe, in dem es die Software einführt, betreibt und stetig verbessert. Application Management hebt das Nebeneinander von Software-Entwicklung und Service Management auf, indem es die Software-Entwicklungsphasen und die sich anschließenden Service Management Phasen in einen einzigen Lebenszyklus integriert.
Application Management gewährleistet also eine umfassende End-to-end-Beschreibung von sämtlichen Management Prozessen, die während des Lebenslaufs einer Applikation anfallen. ITIL Application Management beschreibt ganzheitlich, was dabei wann von wem zu erledigen ist und trennt nicht zwischen Service Management und Anwendungsentwicklung.
Application Portfolio Management
ITIL Application Management hilft jedoch nicht nur bei der effizienten Entwicklung und Einführung von neuen Software Applikationen. Ein weiterer Aspekt von ITIL Application Management ist das ITIL Application Portfolio. Das Application Portfolio ist ein wertvolles Analysewerkzeug, um die Investitionen des Unternehmens in Anwendungssysteme auszuwerten und zu überwachen. Das Application Portfolio unterstützt Entscheidungen im Lebenszyklus der Applikationen unter besonderer Berücksichtigung ökonomischer Aspekte.
Die Idee dabei: Sämtliche Applikationen im Unternehmen werden in einem Portfolio zusammengefasst und ähnlich einem Wertpapier-Portfolio nach ökonomischen Gesichtspunkten analysiert und verwaltet. Das Application Portfolio hilft insbesondere dabei, sinnvolle Investitionsentscheidungen für neue Applikationen zu treffen und unrentable Applikationen zu identifizieren.
Fazit
IT Fachleute sehen die Notwendigkeit, dem Thema Application Management mehr Beachtung zu schenken. Zum einen zeigt die Erfahrung, dass bei Entwicklung, Einführung und Betrieb von Softwareanwendungen in der Praxis oft folgenschwere Probleme und vermeidbare Kosten entstehen. Zum anderen unterstützen Applikationen die geschäftsentscheidenden Kernprozesse von Unternehmen und besitzen daher einen hohen Stellenwert für das Unternehmen und dessen Zielerreichung.
Ein weiterer Aspekt ist, dass Unternehmen ihre Anwendungslandschaft oft nicht als „Asset“ verstehen und entsprechend wenig Erfahrung bei der Analyse und der Verwaltung ihres Application Portfolios haben, was insbesondere die Gefahr falscher Applikations-Investitionsentscheidungen birgt. ITIL Application Management hilft Unternehmen dabei, ihre Anwendungslandschaft nach ökonomischen Prinzipien zu managen und gibt ihnen ganz konkrete Best-practises vor, wie die Aktivitäten in jeder Phase des Lebenszyklus einer Applikation in einen strukturierten, höchst effizienten Prozess eingebunden werden können.
