Wer sich mit digitaler Compliance beschäftigt, stößt schnell auf zwei große Regelwerke: die DSGVO und den EU AI Act. Beide kommen aus Brüssel, beide betreffen Unternehmen in der EU, und beide schützen grundlegende Rechte. Doch sie funktionieren sehr unterschiedlich – wer sie verwechselt, riskiert blinde Flecken in seiner Compliance-Strategie.
Der EU AI Act ist die weltweit erste umfassende gesetzliche Regulierung für Künstliche Intelligenz. Er legt fest, welche KI-Systeme in der EU eingesetzt werden dürfen und welche Anforderungen Anbieter und Betreiber erfüllen müssen. Das Gesetz trat 2024 in Kraft und wird schrittweise bis 2026 vollständig angewendet.
Kern der Verordnung ist ein risikobasierter Ansatz mit vier Kategorien:
Die DSGVO schützt personenbezogene Daten natürlicher Personen in der EU. Sie regelt, wie Unternehmen Daten erheben, speichern, verarbeiten und weitergeben dürfen. Seit 2018 gilt sie für jede Organisation, die Daten von EU-Bürgern verarbeitet – unabhängig vom Unternehmensstandort.
Die DSGVO basiert auf Datensparsamkeit, Zweckbindung und Transparenz. Betroffene haben das Recht auf Auskunft, Berichtigung, Löschung und Widerspruch.
Der wichtigste Unterschied liegt im Schutzgegenstand: Die DSGVO schützt personenbezogene Daten, der EU AI Act schützt vor Risiken durch KI-Systeme. Ein KI-System kann unter den EU AI Act fallen, ohne überhaupt personenbezogene Daten zu verarbeiten.
Beide Regelwerke überschneiden sich, wenn KI-Systeme personenbezogene Daten verarbeiten – etwa bei Recruiting-Tools, Empfehlungsalgorithmen oder automatisierten Entscheidungssystemen. In diesen Fällen müssen Unternehmen beide Regelwerke gleichzeitig einhalten.
Ein Beispiel: Ein KI-System zur Bonitätsprüfung gilt nach dem EU AI Act als Hochrisiko-System und unterliegt strengen Transparenz- und Aufsichtspflichten. Gleichzeitig verarbeitet es personenbezogene Finanzdaten und löst damit DSGVO-Pflichten aus – insbesondere das Recht auf Erklärung automatisierter Entscheidungen nach Artikel 22 DSGVO.
Der erste Schritt ist ein KI-Inventar: Welche KI-Systeme sind im Einsatz, und welche Daten verarbeiten sie? Daraus lässt sich ableiten, welche Anforderungen aus EU AI Act und DSGVO jeweils gelten.
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