Wie nutzt man Prompt Engineering für die Texterstellung im Unternehmen?
Prompt Engineering für die Unternehmenskommunikation funktioniert so: Du gibst einem KI-Modell eine strukturierte, präzise Anweisung, die eine Rolle, eine Aufgabe, Kontext und ein Beispiel enthält – damit die KI nützliche, markenkonsistente Texte produziert. Je besser der Prompt strukturiert ist, desto weniger Nachbearbeitung erfordert das Ergebnis. Die folgenden Abschnitte erklären die wichtigsten Grundprinzipien, bewährten Techniken und häufigen Fehler, die Teams kennen sollten, wenn sie KI-Tools für Content einsetzen.
Was sind die Grundprinzipien eines guten Prompts?
Ein guter Prompt enthält vier Kernelemente: eine klare Rolle für die KI, eine konkrete Aufgabe, ausreichend Kontext zum Thema und ein Beispiel als Referenz. Fehlt eines dieser Elemente, liefert das Modell ein generisches Ergebnis, das kaum direkt verwendbar ist.
Stell dir den Prompt wie ein Briefing für einen hochkompetenten, aber völlig uninformierten Texter vor. Wer einfach „Schreib einen Newsletter“ eingibt, bekommt ein generisches Ergebnis. Wer erklärt, für wen der Text gedacht ist, welchen Ton er haben soll und was das Ziel ist, bekommt etwas Verwendbares. Die KI kann keine Gedanken lesen, aber sie kann präzise Anweisungen hervorragend umsetzen.
Drei weitere Grundprinzipien helfen dabei, Prompts dauerhaft gut zu halten:
- Spezifität schlägt Kürze: Mehr relevante Details führen zu besseren Ergebnissen – solange der Prompt strukturiert bleibt.
- Format vorgeben: Wenn du ein bestimmtes Ausgabeformat benötigst – zum Beispiel eine Aufzählungsliste oder einen Text mit genau 200 Wörtern – solltest du das explizit angeben.
- Iterieren statt perfektionieren: Der erste Prompt muss nicht perfekt sein. Kurze Folgefragen und Korrekturen verbessern das Ergebnis schnell.
Welche Prompt-Techniken funktionieren am besten für Corporate Content?
Für Corporate Content eignet sich die RACE-Technik besonders gut: Role, Action, Context, Example. Sie deckt die vier wesentlichen Komponenten eines effektiven Prompts ab und lässt sich auf nahezu jeden Texttyp anwenden – von Pressemitteilungen bis hin zur internen Kommunikation.
Ein konkretes Beispiel: „Du bist ein erfahrener Unternehmenskommunikations-Profi (Role). Schreibe eine interne Ankündigung mit 150 Wörtern (Action). Unser Unternehmen führt nächsten Monat ein neues Ticketing-System ein, und wir möchten die Mitarbeitenden sachlich und positiv informieren (Context). Nutze den folgenden früheren Beispieltext als Orientierung (Example).“ Dieses Muster liefert deutlich bessere Ergebnisse als eine unstrukturierte Anfrage.
Neben RACE gibt es weitere nützliche Techniken:
- Chain-of-Thought: Die KI wird gebeten, Schritt für Schritt vorzugehen, bevor sie den Text verfasst. Nützlich bei komplexen Argumentationen oder technischen Texten.
- Few-Shot Prompting: Es werden mehrere Beispieltexte bereitgestellt, damit die KI den gewünschten Stil präzise erkennen kann.
- Priming über System-Prompts: Bei Tools, die Systemkonfigurationen ermöglichen – etwa Custom GPTs –, kannst du Stil, Ton und Ausgabeformat einmalig festlegen. Alle nachfolgenden Prompts werden dann automatisch in diesem Rahmen verarbeitet.
Wie lassen sich Brand Voice und Unternehmenssprache in Prompts einbetten?
Brand Voice lässt sich in Prompts einbetten, indem du der KI konkrete Stilmerkmale, Beispieltexte und explizite Verbote mitgibst. Formulierungen wie „Schreibe in einem sachlichen, aber freundlichen Ton, vermeide Passivkonstruktionen und verwende keine Phrasen wie ‚in der heutigen Welt'“ geben dem Modell klare Leitplanken.
Besonders wirkungsvoll ist es, bestehende Markentexte direkt als Beispiele in den Prompt einzufügen. Die KI erkennt dann Satzstruktur, Wortwahl und Rhythmus und überträgt diese auf neue Inhalte. Wenn du ein Corporate-Language-Dokument hast, kannst du die wichtigsten Regeln daraus direkt als Prompt-Abschnitt formulieren.
Für Teams empfiehlt sich ein zentrales Style Sheet im Prompt-Format, das folgende Punkte abdeckt:
- Bevorzugte Anredeform
- Verbotene Wörter oder Phrasen
- Gewünschte Textlänge und -struktur
- Zwei bis drei Beispielsätze im richtigen Ton
Welche häufigen Fehler passieren beim Prompting für Content?
Der häufigste Fehler beim Prompting für Corporate Content ist zu wenig Kontext. Wenn du der KI nicht mitteilst, für wen der Text gedacht ist, was das Ziel ist und welchen Ton er haben soll, bekommst du einen generischen Text, der kaum verwendbar ist und viel Nacharbeit erfordert.
Weitere typische Fehler, die in der Praxis immer wieder vorkommen:
- Mehrere Aufgaben in einem Prompt: „Schreibe einen Blogartikel, erstelle dazu fünf Social-Media-Posts und schlage drei Betreffzeilen vor“ überfordert das Modell und liefert für alle Aufgaben mittelmäßige Ergebnisse. Besser: eine Aufgabe pro Prompt.
- Kein Beispiel angeben: Ohne Referenz interpretiert die KI Begriffe wie „professionell“ oder „lebendig“ sehr unterschiedlich.
- Ergebnisse ohne Prüfung übernehmen: KI-generierte Texte müssen immer auf sachliche Richtigkeit, Markenkonsistenz und rechtliche Aspekte geprüft werden. Gemäß dem EU AI Act müssen KI-generierte Inhalte zudem klar als solche gekennzeichnet werden, wenn sie synthetischer Natur sind.
- Das falsche Modell wählen: Einfache Texte erfordern kein leistungsstarkes Reasoning-Modell. Wer für simple Aufgaben routinemäßig komplexe Modelle einsetzt, zahlt mehr und wartet länger – ohne bessere Ergebnisse zu erhalten.
Wie baust du wiederverwendbare Prompt-Vorlagen für Teams auf?
Wiederverwendbare Prompt-Vorlagen für Teams entstehen, indem du erfolgreiche Prompts dokumentierst, Platzhalter einfügst und sie in einer gemeinsamen Bibliothek ablegst. Das reduziert den Aufwand für jede einzelne Content-Aufgabe erheblich und sorgt für eine konsistente Qualität im gesamten Team.
Eine praktische Vorlage für eine Produktankündigung könnte so aussehen: „Du bist ein erfahrener Texter für [Branche]. Schreibe [Textformat] mit [Wortanzahl] Wörtern. Das Produkt heißt [Name] und richtet sich an [Zielgruppe]. Der Ton ist [Stil]. Nutze das folgende Beispiel als Orientierung: [Beispieltext einfügen].“ Die Platzhalter in eckigen Klammern werden vom jeweiligen Teammitglied ausgefüllt.
Für den Aufbau einer Prompt-Bibliothek im Unternehmen empfehlen sich folgende Schritte:
- Die häufigsten Content-Aufgaben im Team identifizieren – zum Beispiel Newsletter, Stellenausschreibungen, Produktbeschreibungen oder interne Ankündigungen.
- Für jede Aufgabe einen Template-Prompt entwickeln und testen.
- Die Vorlagen in einem gemeinsamen Dokument oder Wiki ablegen.
- Sie regelmäßig überprüfen und verbessern, da KI-Modelle sich kontinuierlich weiterentwickeln und Prompts entsprechend angepasst werden sollten.
Welche KI-Tools eignen sich für die Unternehmenskommunikation?
Für die Erstellung von Corporate Content eignen sich vor allem ChatGPT von OpenAI, Claude von Anthropic und Gemini von Google. Alle drei bieten leistungsstarke Sprachmodelle, die für verschiedenste Content-Aufgaben genutzt werden können, und verfügen über Funktionen wie Systemkonfigurationen oder Canvases, die den Workflow vereinfachen.
Bei der Auswahl des richtigen Tools spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Für einfache, wiederkehrende Texte wie kurze E-Mails oder Social-Media-Posts reichen schnellere, kleinere Modelle aus. Für komplexe Fachtexte, Argumentationen oder kreative Inhalte lohnt sich der Einsatz leistungsstärkerer Reasoning-Modelle. Viele Plattformen bieten einen automatischen Router, der die Aufgabe analysiert und das passende Modell auswählt – dieser bevorzugt jedoch aus Kostengründen tendenziell kleinere Modelle.
Wichtige Kriterien bei der Tool-Auswahl für Unternehmen:
- Datenschutz und Compliance: Wo werden die eingegebenen Daten gespeichert und verarbeitet? Das ist besonders bei internen oder vertraulichen Texten entscheidend.
- Integrationsmöglichkeiten: Lässt sich das Tool in bestehende Workflows einbinden – zum Beispiel über API oder Plugins?
- Team-Funktionen: Unterstützt das Tool gemeinsame Prompt-Bibliotheken oder geteilte Konfigurationen?
- Modellauswahl: Bietet das Tool die Möglichkeit, zwischen schnellen und leistungsstarken Modellen zu wählen?
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