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KI-Wissen

Was sind die Anforderungen an KI-Systeme in der Medizin laut EU AI Act?

Künstliche Intelligenz verändert die Medizin rasant: von der Diagnoseunterstützung bis zur automatisierten Auswertung bildgebender Verfahren. Der EU AI Act – der weltweit erste umfassende Rechtsrahmen für KI – soll sicherstellen, dass diese Systeme sicher und vertrauenswürdig bleiben.

Was regelt der EU AI Act für KI-Systeme in der Medizin?

Der EU AI Act legt verbindliche Anforderungen an Entwicklung, Einsatz und Inverkehrbringen von KI-Systemen in der EU fest. Medizinische KI-Anwendungen fallen überwiegend in die Kategorie der Hochrisiko-KI. Das Gesetz verfolgt einen risikobasierten Ansatz: Je höher das potenzielle Risiko für Gesundheit, Sicherheit oder Grundrechte, desto strenger die Anforderungen.

Welche KI-Systeme in der Medizin gelten als Hochrisiko-KI?

Als Hochrisiko-KI gelten medizinische Systeme, die als Sicherheitskomponente eines Medizinprodukts eingesetzt werden oder selbst als Medizinprodukt klassifiziert sind. Konkrete Anwendungsfälle umfassen:

  • KI-gestützte Auswertung von Röntgen-, MRT- oder CT-Aufnahmen
  • Algorithmen zur Früherkennung von Krankheiten wie Krebs oder Herzerkrankungen
  • Systeme zur Vorhersage von Patientenrisiken in der Intensivmedizin
  • Automatisierte Empfehlungen für Medikamentendosierungen
  • KI in der Roboterchirurgie oder in medizinischen Assistenzsystemen

Rein administrative KI-Systeme – etwa für Terminplanung oder Abrechnung – fallen nicht unter Hochrisiko, sofern sie keinen direkten Einfluss auf klinische Entscheidungen haben.

Welche konkreten Anforderungen stellt der EU AI Act an medizinische KI?

Hochrisiko-KI-Systeme müssen vor Markteinführung verbindliche Anforderungen erfüllen:

  • Risikomanagementsystem: Systematische Identifikation, Bewertung und Minimierung von Risiken.
  • Datenqualität: Trainingsdaten müssen repräsentativ, fehlerfrei und zweckgeeignet sein.
  • Technische Dokumentation: Vollständige Dokumentation des Systems und seiner Leistungsgrenzen.
  • Transparenz und Erklärbarkeit: Nutzer müssen Ergebnisse nachvollziehen können.
  • Menschliche Aufsicht: Medizinisches Personal muss KI-Entscheidungen prüfen, korrigieren oder außer Kraft setzen können.
  • Genauigkeit und Robustheit: Zuverlässiger Betrieb unter verschiedenen Bedingungen.
  • Cybersicherheit: Schutz vor unbefugtem Zugriff und Manipulation.

Vor der Markteinführung ist eine Konformitätsbewertung – in vielen Fällen durch eine benannte Stelle – sowie die CE-Kennzeichnung erforderlich.

Wie verhält sich der EU AI Act zur EU-Medizinprodukteverordnung (MDR)?

EU AI Act und MDR gelten parallel: KI-Systeme, die als Medizinprodukt eingestuft sind, müssen beide Regelwerke erfüllen. MDR-konforme Hersteller haben eine gute Grundlage, müssen aber zusätzlich die AI-Act-Anforderungen erfüllen. Unter bestimmten Bedingungen lassen sich beide Konformitätsbewertungen zusammenführen.

Wer ist für die Einhaltung der KI-Anforderungen in der Medizin verantwortlich?

  • Anbieter (Hersteller): Technische Konformität, Dokumentation, Risikomanagement und Konformitätsbewertung.
  • Betreiber (z. B. Krankenhäuser): Bestimmungsgemäßer Einsatz, Personalschulung und Meldung schwerwiegender Vorfälle.
  • Importeure und Händler: Sicherstellung, dass nur konforme Systeme in Verkehr gebracht werden.

Wichtig: Verändert ein Betreiber ein bestehendes KI-System wesentlich oder passt es für einen medizinischen Anwendungsfall an, wird er selbst zum Anbieter im Sinne des AI Act.

Ab wann müssen KI-Systeme in der Medizin den EU AI Act erfüllen?

Der EU AI Act ist am 1. August 2024 in Kraft getreten. Hochrisiko-KI im Gesundheitswesen muss ab dem 2. August 2026 vollständig konform sein; für bereits nach MDR oder IVDR zertifizierte Systeme gilt eine verlängerte Frist bis zum 2. August 2027. Der Umsetzungsaufwand ist erheblich – Unternehmen sollten jetzt mit der Bestandsaufnahme beginnen, Lücken identifizieren und einen Umsetzungsplan entwickeln.

So unterstützen wir Sie beim Thema KI-Regulierung und AI Act

Wir bei mITSM bieten praxisnahe Schulungen und Zertifizierungen, um den AI Act verständlich und umsetzbar zu machen. Unsere Trainings im Bereich KI-Kompetenz und künstliche Intelligenz decken ab:

  • Grundlagen und Anforderungen des EU AI Act
  • Risikoklassifizierung von KI-Systemen
  • Aufbau eines KI-Risikomanagementsystems
  • Compliance-Strategien für Hochrisiko-KI im Gesundheitswesen
  • Vorbereitung auf anerkannte KI-Zertifizierungen über ICO-Cert

Unsere zertifizierten Trainer mit Praxiserfahrung vermitteln komplexe Regulierungsthemen anwendbar – flexibel als Präsenz-, Online-Live- oder Inhouse-Seminar. Erfahren Sie mehr über uns oder sprechen Sie uns direkt an.

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